Die Schankwirtschaft Sandmann-Spangeder

von Bettina Sandmann

Der Sohn des ersten Siedlers, Hermann Friedrich Heinrich Sandmann, erhielt Ende 1911 eine erste Schankerlaubnis für eine Schankwirtschaft als „Bierrestaurant“. Dazu existiert noch die Konzessionsurkunde mit Lageplänen.

Damals muss dies die einzige Einkehrmöglichkeit weit und breit gewesen sein. Allerdings gab es außer weithin bekannten ertragreichen Stellen zum Beerenpflücken, die über unbefestigte Pfade erreicht werden mussten, keine touristisch]wertvollen Ziele. Erst Jahrzehnte später entdeckten Ausflügler den Reiz verkehrsarmer Straßen durch die blühenden Heide- und Wollgrasflächen oder in jüngster Zeit die Kranichrastplätze im Moor.

In der Schankwirtschaft wurden Getränke ausgeschenkt, aber es gab keinen vollen Gaststättenbetrieb. An Speisen wurden Mettwurst- und Schinkenbrote gereicht. Der "Stramme Max" war eine beliebte Speise für "zwischendurch"

Die Schankstube befand sich zunächst im hinteren westlichen Teil des damaligen Wohnhauses. Nach einigen Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen am Haus wurde später der Schankraum nach vorn zur Straße verlegt, in das spätere Wohnzimmer. Als das Haus in den 1980er Jahren nochmals umfassend renoviert wurde, war auf dem alten Dielenboden gut erkennbar, wo sich einst der Tresen befunden hatte. Nachdem die Theke einige Zeit auf dem Dachboden stand, übernahm sie später "Hillen Wilhelm"  von der Kaiserhalle in Wagenfeld. Als "Schwartentheke" stand sie im großen Saal der Kaiserhalle quer zur großen Theke bis zum Umbau des Saales. Die Gäste der Schankwirtschaft wussten offenbar, wo es die flüssigen Erfrischungen am Rande des Geestmoores gab. Über ein Wirtshausschild oder andere Außenwerbung ist nichts bekannt.

Die Schankerlaubnis wurde 1953 vom Erben Friedrich Hermann Wilhelm Sandmann („Spangeders Fritz“) und seiner Frau Emma erneuert und die Bierwirtschaft so bis in die 1960er Jahre betrieben.

Ansicht 1930

Gebäudeansicht von 1930 Zu erkennen sind von rechts: Fritz Sandmann (Spangeders Fritz), Emma Spangeder, Karl Sandmann (Bruder von Fritz), weitere zwei Personen unbekannt, Johanne Sandmann (Mutter von Fritz und Karl), Schäfer Johann aus dem Ruhrgebiet, der wegen einer Lungenerkrankung auf dem Hof vermutlich bis Ende der 50er Jahre des 20. Jahrhundert als Schäfer beschäftigt war.

Entwicklung der Gaststätte

Erzählt wird (vom Getränkehändler Lütvogt in Wagenfeld, dass die Spangedersche Schankwirtschaft zu einer Zeit die umsatzstärkste Gastwirtschaft von „ganz Wagenfeld“ war – nämlich in den 1950er Jahren, als der Tiefpflug die moorigen Böden im Bruch in Ackerland umwandelte.

Die Arbeiter waren damals in hölzernen Übernachtungswagen der Firma Ottomeyer auf dem Hof untergebracht. Ein eigener Koch versorgte die Arbeiter, die harte körperliche Arbeit verrichten mussten, mit Essen. Die Getränke wurden über die Gaststätte bezogen.

Als Mitte/Ende der 1960erJahre verschärfte Auflagen in Kraft traten, die wesentliche Umbaumaßnahmen erforderlich gemacht hätten – unter anderem hätten die Aborte neu erstellt und eine bessere Beleuchtung der Hofflächen realisiert werden müssen – entschloss sich die Familie des letzten Hoferben, sehr zum Bedauern der Altenteiler, den Schankbetrieb einzustellen.