Die Taufe

Originalseite von Inge Detert

Die Taufe – oder wer soll das bezahlen?

Von Inge Detert geb. Kanning,[1]

Manche Tieen in Läben vergett man nich, manche Daage blifft een jümme in Erinnerung. So geiht us dat mit einen kooln Februar Monat, de nu all lange Johren trüggeliggt.

Morgens, wenn wi in Stall alle use Veeh versorgt harn, gingt an Kaffeedisch, un mien Mann stellde denn immer use Radio an, un in düsse Tied, et wer jo bold Karneval, spelden un süngen se ganz faken: „Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld, wer hat soviel Pinke, Pinke, wer hat soviel Geld.“ Ja, dat dachte ik uk, over nich wegen Karneval. Ne ik dachte an de Döpe von use lüttge Deern. Vör een Johr han wie heirat, gliks dorna harn wi mine Schwägerin utstürt un use Bargeld wöör knappe, doch een Fest schull use Döpe uk wern.

Mit Pastors, Verwandte un Navers würn wi woll so an de dörtig Lüe. Bit na use Karken mössden wie 6 ½ km föhen. Un Kutschwagen harn wi nich, un Autos geev‘t in ganzen Brauk uk nich. Un Mietwagen von Deefholt wör to dür. Ik frög deshalb den Pastor, of he bi us in Huse döpen wull. De sä glieks tou, he meende: „Das paßt mir ganz gut. Die Kirche gut warm zu bekommen bei diesen eisigen Temperaturen kostet viel Geld, und Gottesdienstbesucher kommen bei diesem Wetter auch kaum. Ich halte eine kurze Andacht und dann komme ich mit meiner Frau auf unserem 98er Sachs-Motorrad zu Ihnen.“

Ob üm dat Festääten wull een bäten inne Näsen seet? He har so schnell tosäggt. Aber egal. Schlacht harn wi all, wegen de frischen Soppen un den Broen. Gemüse wörr genoug inkokt, Melk un Eier för Eierstich un Pudding geevt jeden moorn frisch ut‘n Stall. Schluck, Brause und Beer in Buddels harn wi in Huse, weil wi un lüttje Gastwirtschaft hept. För Botterkoken un Frankfurter Kranz brukten wi uk nix inkoopen, de Todaten wörn ok dor.

Dat Döpekleed neide mine Mudder un de Rest von Schleier wurd to verkrüselt. Holt un Törf un Brikett wurrden rinhaalt, alls harn wi prima uppe rege, nix kun scheefe gahn, un Borgeld harn wi in Moment gornich brugt. Wat wörrn wi froh. Nu rümten wi noch in use besten Stuben een bäten ümme. Von Schriefdischk möken wi een Altar, mit een wittet Laken, een paar Geronien, een feinen Kerzenholder, use Bibel, un eene feine Scholen fört Döpewater.

Use Hus wör fein warm, dat äten wör klor, so brugten wi mit use Kind nich inne Külle, un kunnen alle bi de Döpe dorbi wän. Alls, alls wör bestens uppe rege, aber denn keemt doch noch anners. Up eenmal wör de ganze Gaststuben full mit Kerls. Bi us umto wurrd dormals na Öl bohrd, un de Lüe wahnden achter usen Huse in Wahnwagens, un weil se fröen, wulln se si sik mit Schniedergrog upwarm. Bit der Pastor kem wörn se all mächtig in Stimmung und fingen uk all an to singen. Ik wurd immer trouriger, har Tranen inne Ogen, alls schull doch so schön fierlich wern. Wat schull de Pastor bloß denken?

Ich frög mine Schwiegeröllern: „Könnt wi nicht to de Kerls seggen, dat wi Döpe hebbt, un gerne allen bliben wulln? „Ne, ne“, sehrn de, „de bringt us un Masse Geld int Hus, dat geiht nich.“

De Pastor keem, ik schämde mi wegen den Krach, aber wat schull ik moken. Ik stund dor mit mine lüttke Deern up‘n Arm, ohne mienen Mann, de wör ja inne Gaststuben un schull Geld verdeenen. De Pastor stimmde an: „Nun danket alle Gott,“ und inne Gaststuben füngen see uk an to singen nämlich: „Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld.“ Na de tweeden Stroofe mende de Pastor, un he lachte een bäten, wi schulln man uphörn, de dor nebenan kunnen luter singen as wi. „Und vielleicht haben sie auch recht. Ich habe 3 Kinder, sie machen mir viel Freude, aber Geld kosten sie allerlei.“

Wi denkt noch oft an düssen Döpedag trügge. Un seit dormals heet dat bi us wenn wi wat grötteret anschaffen wüllt: „Hebt wi so vääl Pinke, Pinke.“

Aber uk seit dormals hangt bi us, wenn wie een Familienfier hebt un Schild vör de Dörn un dor steiht up „Heute wollen wir kein Geld verdienen. Wegen Familienfeier geschlossen.“

[1] redaktionell bearbeitet von Samtgemeindearchivar Dieter Plaggemeyer, das Plattdeutsche wurde nach „Wörterbouk Hoochdütschk – Plattdütschk von Friedhelm Hardemann bearbeitet.