Heidehof (Kittelbude)

Rehden, Nienburger Str. 75 (ehemals Rehden Nr. 92)

Gründung und Gastwirte

Nach der Inbetriebnahme der Bahn gab es auf dem Gebiet der heutigen Samtgemeinde die Bahnhöfe Barver und Rehden/Wetschen. Die Haltestelle in Hemsloh/Ziegelei wurde drei Jahre später, am 1.9.1926, eingerichtet.

Nach dem Protokoll der Sitzung vom 22.05.1914 wählen die Ziegeleiinteressenten eine Commission, die den Neubau eines Wohnhauses bei der geplanten Haltestelle „zum Betriebe einer Schankwirtschaft“ vorbereiten und in die Wege leiten sollte. [1] Karl Warns stützt seine Aussagen auf die Informationen des letzten Ziegeleibesitzers Horst Brüggemann und die der Familie Linnemann/Niehaus aus Hemsloh. Danach entstand der erste Teil des Baues – ein Warte- und Aufenthaltsraum mit Fahrkartenausgabe und Toilette –wahrscheinlich bis zur Inbetriebnahme der Haltestelle im Jahre 1926. Das Gebäude stand auf dem Grundstück der Familie Linnemann. Friedrich Linnemann und nach ihm sein Sohn Hermann Linnemann übernahmen die Aufgaben für den Bahnbetrieb, zu deren Übernahme sich die Gemeinde Rehden und die Ziegeleiinteressenten verpflichtet hatten. Anfang der 1930-er Jahre errichtet dann die Familie Linnemann direkt neben dem bestehenden Warteraum ein Wohnhaus und eröffnet darin eine Schankwirtschaft. Bis zur Einstellung des Fahrbetriebes im Jahr 1966 führte die Familie die vereinbarten Aufgaben für die Bahn durch. Sie gab u.a. Fahrkarten aus.

Von 1970 – 1990 war Lisa Vogler die Gastwirtin. Danach übernahm ihr Sohn Horst die Gaststätte und betrieb sie im Nebenerwerb bis 1990.

 [1] Vgl. Warns, Karl, Entstehung der Hausnummern in Rehden, unveröffentlichte Arbeit, Samtgemeindearchiv Rehden

Ausstattung und Nutzung

In den 1980er Jahren wurde der ehemalige Warteraum zu einem Clubraum umgebaut.

Besonderheit

Die Gaststätte hatte eine besondere Beziehung zu dem Standort. Der Zug Diepholz -Sulingen hielt nämlich u.a. nicht nur in Rehden-Wetschen und Barver, sondern auch in Hemsloh. In der Gaststätte konnte man auch Fahrscheine erwerben. Die Bezeichnung „Kittelbude", eine etwas rätselhafte Bezeichnung, hat mit der Ziegelei und den Ziegeleiarbeitern zu tun. Die Ziegelei lag auf der anderen Seite der Bundesstraße. Meistens gab es früher bei den Ziegeleien keine Aufenthaltsräume, geschweige Räume mit Waschgelegenheiten. Solche  Einrichtungen und lange Pausen wollte man auch gar nicht. Es war somit verständlich, dass auch hier die Ziegeleiarbeiter nach einem Ort suchten, wo sie relativ schnell ihr Frühstück und Mittag verzehren, sowie auch ihr Bier und ihren Korn trinken konnten, ohne dass sie sich erst umziehen mussten. In der Gastwirtschaft von Linnemanns konnten sie den „Kittel" anbehalten. Nach einiger Zeit hieß es dann nur noch: „Wi goht eben inne Kittelbude“. Die Ziegelei Brüggemann stellte 1962 ihren Betrieb ein. Seit dieser Zeit gab es keine Besucher mehr im (Ziegelei)Kittel. [1]

[1] Vgl. Hardemann, Friedhelm; So war es damals, S. 33 ff

Weitere Nutzung

Nach Aufgabe des Gaststättenbetriebes wurde das Gebäude als Wohnhaus genutzt. Ca. 2015 erwarb die Gemeinde Rehden das Gebäude und brachte Flüchtlinge unter.